Wissenschaftliche Kritik

Zeuge der Epoche: Eine neue Biografie des slowakischen Schriftstellers Pavol Strauss (1912–1994): Ivan A. Petranský: Pavol Strauss a jeho 20. storočie [Pavol Strauss und sein 20. Jahrhundert]. Bratislava, Marenčin PT, 2025, 572 S. ISBN: 978-80-5569-1379-6

Veröffentlicht:
2026-07-06
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Bakuła, B. (2026). Zeuge der Epoche: Eine neue Biografie des slowakischen Schriftstellers Pavol Strauss (1912–1994): Ivan A. Petranský: Pavol Strauss a jeho 20. storočie [Pavol Strauss und sein 20. Jahrhundert]. Bratislava, Marenčin PT, 2025, 572 S. ISBN: 978-80-5569-1379-6. Slavica, 55. https://doi.org/10.31034/055.2026.14
Abstract

Petranskýs Buch „Pavol Strauss a jeho 20. storočie“ (Pavol Strauss und sein 20. Jahrhundert) ist eine umfassende Biografie des herausragenden slowakischen Dichters Pavol Strauss (1912–1994), eines Essayisten und Aphoristikers, der seit 1946 mit katholischen Literaturkreisen verbunden war. Pavol Strauss stammte aus einer jüdischen, intellektuellen Familie. Schon als Kind zeigte er eine Begabung für Literatur und Musik. In den 1930er Jahren schloss er sein Medizinstudium an einer deutschen Universität in Prag ab. Hier gab er sein literarisches Debüt mit zwei Gedichtbänden in deutscher Sprache. Vor dem Zweiten Weltkrieg kehrte er in die Slowakei zurück, wo er als Arzt zu arbeiten begann.
Anfang der 1940er Jahre ließ er sich zum katholischen Glauben taufen, was ihn möglicherweise vor dem Holocaust bewahrt hat, und Mitte der 1940er Jahre begann er, auf Slowakisch zu schreiben. Er entschied sich dafür, slowakischer Schriftsteller zu werden, und verband die Literatur mit seiner Tätigkeit als Chirurg in Krankenhäusern. In den späten 1940er Jahren wurde er von den Sicherheitsbehörden verfolgt. Fast sein ganzes restliches Leben lang galt für ihn in der Slowakei ein Veröffentlichungsverbot. Er veröffentlichte sporadisch in slowakischen katholischen Publikationen und in Rom. Trotz der Unterdrückung schrieb er weiter und erlangte in literarischen Kreisen zunehmend Ansehen. In den 1970er und 1980er Jahren engagierte er sich zudem in der katholischen Samisdat-Bewegung.
Petranskýs Biografie stützt sich auf zahlreiche bisher unbekannte Quellen, darunter Material aus Familienarchiven, den Archiven der Sicherheitsdienste und den Archiven des Vatikans. Petranský zeichnet ein äußerst detailliertes Bild der Ära des Totalitarismus und der Lage eines Mannes, der nach moralischen Grundsätzen lebte, die auch von den tragischen Ereignissen jener Zeit unerschüttert blieben. Das Porträt des Lebens dieses Dichters und Essayisten, dessen Werk erst nach seinem Tod Anerkennung fand, ist zugleich ein Porträt der Nachkriegsgeschichte der Slowakei. Strauss begann sein Leben als Bürger von Österreich-Ungarn und beendete es als Bürger der unabhängigen Slowakei. Er war Zeuge großer historischer Wendepunkte und hat diese in seinen Werken festgehalten. Heute zählt er zu den herausragendsten slowakischen Schriftstellern, die mit der katholischen Bewegung in Verbindung stehen.

Literaturhinweise
  1. MARČOK 2004: Marčok, Viliam et al., Dejiny slovenskej literatúry III. Cesty slovenskej literatúry druhou polovicou XX. storočia. Bratislava: Literárne informačné centrum.