Von heiligen Geboten zum weltlichen Recht: Die Entstehung der Rechtsinstitution Insolvenz in der Antike
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Das Phänomen der Insolvenz ist so alt wie die Entwicklung menschlicher Gesellschaften selbst, doch die Entstehung ihrer heutigen rechtlichen Regelung ist das Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses. Ziel der Studie ist es, aufzuzeigen, wie sich die Normen für den Umgang mit Schulden und Insolvenz von alten religiösen Geboten zu kodifizierten Rechtslösungen entwickelt haben. Die Studie beginnt mit einer Analyse der in heiligen Texten enthaltenen Prinzipien des Schuldenerlasses und des Schuldnerschutzes und untersucht anschließend die ersten institutionalisierten Mechanismen zur Schuldenregulierung anhand der Rechtsquellen des alten Mesopotamiens. Auch die regulatorischen Lösungen des archaischen griechischen Rechtssystems werden dargestellt, wobei besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der persönlichen Haftung des Schuldners und die Mittel zur Durchsetzung von Gläubigeransprüchen gelegt wird. Der letzte Teil der Studie analysiert die Insolvenzregelung des römischen Rechts, die einen Wandel im Insolvenzmanagement von persönlichen Sanktionen hin zu vermögensrechtlichen Vollstreckungsformen darstellt und damit die Grundlagen des modernen Insolvenzrechts schafft. Die Untersuchung verwendet rechtshistorische und rechtsvergleichende Methoden und legt die normativen Muster offen, die ein Gleichgewicht zwischen Gläubigerinteressen und Schuldnerschutz anstreben.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Grundprinzipien des Insolvenzmanagements – Schuldenregulierung, Schuldnerschutz und Beschränkung der Gläubigeransprüche – bereits in der Antike auftauchten und dann, vermittelt durch das römische Recht, einen entscheidenden Einfluss auf die spätere Entwicklung des europäischen Rechts ausübten.
https://doi.org/10.24169/DJM/2026/1-2/2