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Die Lagerprosa: Zur Semantik und konzeptuellen Rahmen des Begriffs
Views:280Der vorliegende Beitrag analysiert die Lagerprosa als ein einzigartiges literarisches Phänomen der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts, das unter den extremen Bedingungen stalinistischer Arbeitslager und Repressionen entstand. Die Untersuchung geht der Frage nach, wie die Erfahrung der Inhaftierung die sprachliche Persönlichkeit sowohl professioneller Schriftsteller – wie W. Schalamow und A. Solschenizyn – als auch nicht-professioneller Autoren – wie Je. Ginsburg und Je. Kersnowskaja – geprägt hat. Die Texte dieser Autoren liefern schlüsselartige Erkenntnisse zur Analyse psychologischer, sozialer und individueller Transformationsprozesse während der Lagerhaft. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem metaphorischen Sprachgebrauch in der Gestaltung der Werke. Den Autoren gelingt es, die unaussprechlichen Schrecken des Lagerlebens mithilfe von Metaphern sowohl als stilistische Elemente als auch als Mittel der Neuinterpretation zu fassen. Die Studie untersucht, inwieweit diese Metaphern übergeordnete Themen wie Dehumanisierung, Durchhaltevermögen und moralische Standhaftigkeit widerspiegeln. Darüber hinaus zeigt die Analyse, dass Lagerprosa über reine dokumentarische Zeugenschaft hinausgeht und sich zu einer Form sprachlichen Widerstands und kreativen Überlebens entwickelt. Durch die Untersuchung lexikalischer Entscheidungen und narrativer Strukturen dieser Texte diskutiert der Beitrag Methoden, mit denen die Autoren eine neue literarische Sprache und Ausdrucksform zur Verarbeitung von Trauma und Erinnerung schaffen. Damit leistet die Arbeit einen Beitrag zu einem tieferen Verständnis der Wechselwirkung zwischen persönlicher Erfahrung, sprachlichem Ausdruck und historischer Darstellung in der russischen Literatur.
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Verstecken oder enthüllen? Ukrainische Künstler und die Lagerwunden in den Beziehungen zu Russland
Views:365Der Artikel ist eine interdisziplinäre Analyse der kulturellen Zeugnisse der Lagerwunden in den ukrainisch-russischen Beziehungen. Die im Rahmen der Geistes- und Sozialwissenschaften untersuchte Gulag-Literatur wird im Artikel durch das Prisma des Erbes des totalitären Systems und der kreativen Wahrnehmung der physischen und psychischen, aber auch kulturellen Wunden wahrgenommen. Ziel des Artikels ist es, die Werke ukrainischer Künstler der letzten Jahrzehnte zu analysieren, die unter dem Einfluss der Gefangenschaft entstanden sind. Ihre literarischen und filmischen Werke zeichnen ein Bild von den Wunden, die ihnen in den Lagern bei der Verfolgung der imperialen Ziele zugefügt wurden. Der Vergleich ihrer unterschiedlichen künstlerischen Antworten auf das Leiden hilft, die Kraft zu verdeutlichen, mit der sich die ungeheilten, vergessenen, zum Schweigen gebrachten und nun plötzlich aktualisierten Wunden der Lagervergangenheit in der heutigen ukrainischen Haltung gegenüber den Russen widerspiegeln.
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Trauma Überwinden: Laienkünstlerisches Schaffen im Kontext der metamodernen Sensibilität
7 p.Views:383Die Informationskultur hat neue Möglichkeiten für die Institutionalisierung und Funktionieren verschiedener subkultureller Bewegungen eröffnet, einschließlich derer, die Menschen mit einem alternativen Geisteszustand vereinen. Der vorliegende Aufsatz analysiert das Entwicklungsmodell einer diesen Vereinigungen. Ebenfalls bietet der Artikel einen kurzen Überblick über die historische Dynamik der Erforschung laienkünstlerischen Schaffens, seiner Rolle und Bedeutung in der aktuellen Phase. Es wird ein besonderes Augenmerk auf die Art Brut gelegt. Laienkunst bekommt heutzutage eine neue Bedeutung im Kontext der metamodernen Sensibilität, die auf gemeinsame Schaffung basiert. Wir glauben, dass der Diskurs über die Außenseiterkunst ein tolerantes Bewusstsein verstärkt und Fragen zu Stigmatisierung, Normen, Devianz und innerer Befreiung aufwirft.
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Die Transformation des Lagerthemas in Sergej Lebedews Roman „Die Grenze des Vergessens“
Views:200Sergej Lebedews Roman Die Grenze des Vergessens stellt eine originelle Weiterentwicklung der Tradition der russischen Lagerliteratur dar. Im Zentrum des Werks stehen das Erbe des stalinistischen Terrors, die transgenerationale Weitergabe von Traumata sowie die Notwendigkeit eines bewussten Widerstands gegen deren Folgen. Der vorliegende Beitrag untersucht, wie der Autor – gestützt auf das Konzept der Postmemory – persönliche Familiengeschichte mit Fragen kollektiver Erinnerung verknüpft und dabei die zerstörerischen Auswirkungen des Verschweigens der Vergangenheit sowie das Fehlen von Verantwortung für vergangenes Unrecht thematisiert. Im Mittelpunkt der Interpretation steht die Analyse der Reise des Erzählers durch Raum, Zeit und Selbst(er)kenntnis, gelesen im Lichte des mythologischen Motivs des Abstiegs (Katabasis). Eine zentrale Rolle innerhalb der Initiationsstruktur spielt das Begräbnisritual: Die symbolische Bestattung und die Trauer um spurlos verschwundene Opfer werden zu einem Akt der Wiederherstellung von Erinnerung, der die Möglichkeit zur Versöhnung und zu einem Neubeginn eröffnet. Lebedew setzt sich kritisch mit der gegenwärtigen russischen Erinnerungspolitik auseinander und betont die moralische Verpflichtung, die traumatische Vergangenheit offenzulegen und zu thematisieren.