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Der Chirurg und die Chirurgie in der Filmpoetik des „Tauwetters“
Views:41In den Filmen der Tauwetter-Periode nimmt die Figur des Arztes eine besondere Stellung ein. Er repräsentiert den moralischen Maximalismus der Generation der „Sechziger“ („Schestidesjatniki“) sowie das neue Verhältnis zu Gesundheit und dem menschlichen Körper. Zugleich wird er zu einer der zentralen Heldenfiguren dieser Epoche. Der Arzt erscheint als wortkarger und entschlossener Intellektueller, der den „Hauptschädlingen des gesellschaftlichen Lebens“, den Bürokraten und Spießbürgern, entgegentritt. Dabei bewahrt diese Figur eine ausgeprägte soziale Distanz (sie hat ein ungeordnetes Privatleben, ist verschlossen, schroff und unnachgiebig). Innerhalb der medizinischen Disziplinen nimmt die Chirurgie eine führende Position ein. Komplexe chirurgische Eingriffe bilden in zahlreichen Tauwetter-Filmen Momente höchster dramatischer Spannung. In dem Beitrag werden die künstlerischen Projektionen dieses medizinischen Fachgebiets auf Grundlage der folgenden Filme untersucht: „Das Herz schlägt wieder“ (1956, Regie: A. Room), „Mein lieber Mann“ (1958, Regie: I. Cheifiz), „Kollegen“ (1962, Regie: A. Sacharow) und „Grad des Risikos“ (1968, Regie: I. Awerbach). Untersucht werden auch semantische und visuelle Variationen des chirurgischen Motivs in Kriegsfilmen dieser Zeit sowie die Eigenart der Figur des Chirurgen im regionalen sowjetischen Kino (die baltischen Länder und Zentralasien). Dabei wird versucht, die Transformation der zentralen ideologischen Phasen des Tauwetters nachzuzeichnen: von Filmen über „Umerziehung“ und das „Finden des richtigen Weges“ über einen pathetischen, „rousseauistischen Realismus“ bis hin zu Chirurgen „hamletischen“ Typs im Kino der späten 1960er Jahre.