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Litvins als mittelalterliche baltisch-slawische Volksgruppe in Kastusʹ Tarasaus Roman „Die Jagd nach Grunwald“
Views:40In der Belletristik jedes Volkes nehmen ethnisch geprägte Figuren, die auf stereotypen Vorstellungen über verschiedene Völker basieren, einen wichtigen Platz ein. Dabei können Kunstwerke nicht nur Bilder von Vertretern moderner Nationen zeigen, sondern auch von heute verschwundenen und manchmal sogar nie existierenden Ethnien. Mit dieser Problematik befasst sich eine spezielle literaturwissenschaftliche Disziplin – die Imagologie. In der zeitgenössischen belarussischen Literatur nimmt der Ethnotyp des Litvin eine wichtige Stellung ein, der ein aktueller Bestandteil einiger Typen der modernen belarussischen Identität ist. Besonders deutlich ist seine Präsenz in Werken mit historischer Thematik. Einer dieser für die nationale Literaturtradition bedeutenden Texte ist der Roman „Die Jagd nach Grunwald“ (1986) von Kastusʹ Tarasaŭ, der thematisch der Schlacht bei Grunwald im Jahr 1410 zwischen den vereinten Truppen Polens und Litauens und den Kreuzrittern des Deutschen Ordens gewidmet ist. In diesem Werk nimmt das Imago des Litvin eine recht deutlich ausgeprägte Position als Selbstbild ein, das zur Beschreibung des eigenen Volkes und der eigenen Heimat in der Vergangenheit dient, gegenüber dem die Figuren aller anderen Nationalitäten als Heterobilder positioniert sind. Bei Kastusʹ Tarasaŭ sind die Litauer eine slawischsprachige Ethnie gemischter baltisch-kriwitscher Herkunft, die konfessionell diversifiziert ist (Katholiken, Orthodoxe, Heiden) und deren Vertreter die militärisch-politische Elite des Großfürstentums Litauen bilden. Der Autor schreibt ihnen folgende Eigenschaften zu: mutig, streng, grausam, stur, hartnäckig, wild, unbesonnen, kurzsichtig, unvernünftig. Diese Eigenschaften entsprechen nicht ganz den aktuellen stereotypen Vorstellungen, die die heutigen Belarussen von sich selbst haben und die sich bis zum Ende des 20. Jahrhunderts herausgebildet haben.