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  • Die Transformation des Lagerthemas in Sergej Lebedews Roman „Die Grenze des Vergessens“
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    Sergej Lebedews Roman Die Grenze des Vergessens stellt eine originelle Weiterentwicklung der Tradition der russischen Lagerliteratur dar. Im Zentrum des Werks stehen das Erbe des stalinistischen Terrors, die transgenerationale Weitergabe von Traumata sowie die Notwendigkeit eines bewussten Widerstands gegen deren Folgen. Der vorliegende Beitrag untersucht, wie der Autor – gestützt auf das Konzept der Postmemory – persönliche Familiengeschichte mit Fragen kollektiver Erinnerung verknüpft und dabei die zerstörerischen Auswirkungen des Verschweigens der Vergangenheit sowie das Fehlen von Verantwortung für vergangenes Unrecht thematisiert. Im Mittelpunkt der Interpretation steht die Analyse der Reise des Erzählers durch Raum, Zeit und Selbst(er)kenntnis, gelesen im Lichte des mythologischen Motivs des Abstiegs (Katabasis). Eine zentrale Rolle innerhalb der Initiationsstruktur spielt das Begräbnisritual: Die symbolische Bestattung und die Trauer um spurlos verschwundene Opfer werden zu einem Akt der Wiederherstellung von Erinnerung, der die Möglichkeit zur Versöhnung und zu einem Neubeginn eröffnet. Lebedew setzt sich kritisch mit der gegenwärtigen russischen Erinnerungspolitik auseinander und betont die moralische Verpflichtung, die traumatische Vergangenheit offenzulegen und zu thematisieren.